OnTour

GER [OnTour] Frankfurt text&beat: Gender & Politics in „Game of Thrones“

 

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(Quelle: Text und Beat)

„Game of Thrones“ – literarischer Facettenreichtum mit „text&beat“

Der seit 2011 aktive Frankfurter Literaturkreis „text&beat“ lud im Club „Orange Peel“ zum Diskutieren mit Experten aus dem Literaturbetrieb, der Historienforschung und  des Genderdiskurses ein. Gemeinsam mit Lesern und Zuschauern debattierte man in lockerer Atmosphäre über Fragen und Thesen zu der beliebten TV- und Buchreihe: Wirft George R.R. Martins Werk die bekannte „Heldenreise“ über den Haufen? Wie nah kommt Westeros dem Mittelalter wirklich und warum kann der Charakter Littlefinger als „alte Jungfer“ kategorisiert werden?

Um das Format der Veranstaltung zu erhalten hier für euch ein (tatsächlich leicht gekürztes und  trotzdem noch ellenlanges, [editiertes]) Transkript (DIN A4 21 [!] Seiten).

Vorweg: Die Veranstaltung war sehr gut besucht und es herrschte eine fröhliche Stimmung im Publikum. Die Damen und Herren von text&beat waren sichtlich guter Laune – mit vollem Herzen dabei – das Publikum fühlte sich bestens infotained. Ich sicherlich, und stellte zum Schluss noch teilweise fiese Fragen an das Podium. 😉

Erfrischend war das progressive und partizipierend gestaltete Konzept von text&beat: gespickt mit unterhaltsamen Videobeiträgen und Quizfragen, für deren korrekte Beantwortung es tolle Preise gab, Gespräche mit den Gästen zum jeweiligen Themenblock und der klassischen Diskussionsrunde mit dem Publikum zum Schluss. Die Veranstaltung hatte zwar ein paar kleineLängen die entweder technisch bedingt waren,  oder weil man um Luft und Worte rang, aber in der heutigen Zeit des pseudo-Perfektionismus war es eine willkommene Abwechslung keine einstudierte Inszenierung zu erleben, sondern diesen lustigen, anregenden und lebendigen Plausch unter Freunden.

Das vornehmlich junge Publikum (rund 90 Gäste) dient indes als schöner Beleg dafür, dass Personen unter 30 sich immer noch für Lesestoff epischen Ausmaßes begeistern können. Ich hoffe das Kulturzentrum Frankfurt wird diese Initiative weiter unterstützen. Um es in aller Kürze zu sagen möchte ich mich eines Zitats von einem der geladenen Panel-Gäste – Oliver Hoffmann – bedienen:

Es war mir ein Fest.

Veranstalter: text&beat

Gäste: Prof. Dr. Christoph Dartmann (Universität Hamburg),

Oliver Hoffmann (www.textmenschen.de)

Brigitte Kubisch M.A.

Moderation: Silke Hartmann, Malte Kleinjung und Michael Müller

 

Transkript:

[Intro Musik GoT]+[Nebelwerfer]

Silke: “Winter is not coming – winter is here“, Nebel auch, und damit heißen Malte, Michael und ich, die diesen Abend gemeinsam erdacht haben, euch herzlich Willkommen zu unserem großem Game of Thrones- Spektakel!

[Dank Nebelwerfer] können wir euch nicht sehen,…

[Gelächter]

wir hoffen, dass ihr uns sehen könnt.

Game of Thrones ist die derzeit erfolgreichste Fernsehserie auf dem ganzen Planeten, und in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Ursprünglich war es eine Buchreihe – beziehungsweise es gibt beides – die Buchreihe von George R.R. Martin, die da heißt „A Song of Ice and Fire“ und die Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss haben diese Bücher dann – mal mehr oder weniger stark ans Original angelehnt – für den Kabelsender HBO als Fernsehserie geschrieben. George R.R. Martin hat an dieser Serie auch mitgewirkt. Bücher und Serie gehen in Teilen sehr weit auseinander und mittlerweile ist es auch so dass die Serie die Bücher überholt hat, rein zeitlich.

Seit 2012 gibt es auch eine Graphic Novel Serie, die da heißt „Game of Thrones – Graphic Novel“. Buch und Serie sind echte Kassenkracher, George R.R. Martin ist auf dem deutschen Fantasy-Markt der bestverkaufte Autor [und] auch die Serie schlägt sämtliche Rekorde: kaum eine Fernsehserie hatte jemals so viele, so hohe Zuschauerquoten wie Game of Thrones und keine Serie wurde jemals so viel illegal downgeloaded.

[(Eventuell leicht schuldiges )Gelächter im Publikum]

Noch nie wurde eine Serie für so viele Emmys nominiert; in 2016 hatte Game of Thrones 21 Nominierungen und 12 Preise davon abgesahnt. 2014 hat HBO bekannt gegeben, dass die Serie in der Geschichte des Senders die bis dahin erfolgreichste überhaupt ist. Die sechste Staffel wurde in den USA auf legalem Weg von durchschnittlich mehr als 23 Millionen Menschen gesehen.

Das sind schon Dimensionen. Warum ist das so?

Liegt es an der dichten Erzähl-Struktur, liegt es an den komplexen Handlungssträngen, liegt es an dem Plot, der so geradlinig daher kommt und dann doch eine ganz krasse Wendung nimmt? Liegt es an den schillernden Figuren die diesen Serien-Kosmos bevölkern, oder liegt es an den großen Themen die da abgehandelt werden und die immer wieder auch einen aktuellen Bogen in die Realität schlagen? Oder liegt es am Set-Up, an diesem Kosmos [der] in sich geschlossen [ist], indem sich die Zuschauer vielleicht sogar heimisch fühlen? Kann ich mir jetzt nicht vorstellen, so schön ist es da ja nicht, aber wer weiß?

Liegt es vielleicht an den Handlungs-treibenden Elementen; liegt es an der Gewalt, am Sex? Oder gerade eben daran nicht? Das sind alles Fragen die sich [die Zuschauer] sich selbst beantworten können.

Wir würden jetzt gerne mal eine kleine empirische Umfrage machen: […] Wer hat noch nie Game of Thrones gesehen? [2/ca.100 Personen melden sich]

Wow! Das sind ja eigentlich nur die eigenen Reihen, das ist ja… aber lieber Klaus, lieber Jezko, nur für euch haben wir einen kleinen Einführungsfilm vorbereitet, der ein bisschen erzählt worum es überhaupt geht bei GoT.

https://www.br.de/mediathek/video/achtung-spoiler-game-of-thrones-in-100-sekunden-av:59a8382adc1b890012617eba?t=8s

[…]

Ihr wisst ja jetzt worum es geht […] und mit dieser Grundlage können wir uns auf die Themen die uns interessieren etwas fokussieren. Denn auch wir drei schauen Game of Thrones, aus unterschiedlichen Gründen und vor allem auch in unterschiedlicher Intensität, der Malte hat auch alle Bücher gelesen.

Malte: Das stimmt.

Michael: Streber!

Silke: Er ist also unser Experte, wenn es Spezialfragen gibt dann immer an Malte! Obwohl wir heute ganz bestimmt in Überlänge gehen werden [Spoiler – Ja, aber es war trotzdem super!] was sich bei so einer Serie auch irgendwie anbietet, wollen wir uns konzentrieren, denn wir können ja nicht alle Aspekte der dieser wahrhaft bunte Serien-Kosmos hergibt abarbeiten. Deswegen haben wir uns auf drei Themenblöcke spezialisiert:

  • Die Genre- und Gattungsfrage
  • Die Genderfrage
  • Und die Frage nach dem politischen Kosmos in dem Game of Thrones spielt.

Um diese drei Themen abzuarbeiten haben wir uns kompetente Gäste eingeladen, und die möchte ich an dieser Stelle erstmal ganz herzlich begrüßen: Oliver Hoffmann, Christoph Dartmann und Brigitte Kubisch, Herzlich willkommen, schön das ihr da seid!

[Applaus]

Wir wollen dass sich unsere Gäste sozusagen selber vorstellen lassen, wir haben sie [im Vorfeld] gebeten dass sie ihre Lieblings-Szene oder Schlüsselszene aus Game of Thrones zeigen und genau sagen warum sie sich diese ausgesucht haben und wir fangen an mit Christoph Dartmann! Wir gucken uns jetzt erst die Szene an und danach erzählst du uns kurz was du daran so toll findest.

Christoph: In 20 Sekunden…

Michael: Ja, genau!

Michael: O là là, warum diese Szene?

Christoph: Also nicht weil es meine Lieblingsszene ist. Ich hab es eigentlich ganz gern mit Happy End, solche Dinge mag ich nicht so gerne, die Szene hat sich bei mir einfach nur so wahnsinnig festgesetzt, weil ich so enttäuscht war, weil ich die ganze Zeit über gehofft hatte, dachte „das kann doch nicht sein!“, und dann nun genau nicht am Ende. Es ist natürlich unglaublich effektvoll inszeniert, mit dieser Verzögerung, man identifiziert sich mit der Tochter, [und denkt] es muss doch irgendwie vorbei gehen. Am Ende wird dann ausgeblendet wie das Schwert dann wirklich runter kommt. Also das ist erstmal das persönliche Ding, und das habe ich halt so mit genommen dass ich das halt bei einer Vorlesung nutze, ich habe immer ein Titelbild und in diesem Semester war das der abgeschlagene Kopf von Ned Stark auf der Lanze. Es geht um Mittelalter und da bietet es sich eben an das da einzubinden. Ist auch ganz gut besucht.

[Gelächter]

Das Ganze hat für mich eben auch einen beruflichen Hintergrund; ich bin Mittelalter-Historiker, und diese Szene bietet eben einige Mittelalter-Klischees. Diese ganze Serie, das mit den Rüstungen, mit den Ritterturnieren und solchen Sachen, oder hier mit dem Großmeister der als eine Mischung aus Mönch oder Priester noch eine Bußpredigt hält kurz bevor diese Szene kommt, und außerdem Kleidung an hat. Und das ist dann der Punkt wo ich auch beruflich ins Spiel komme, weil diese Serie eben unter anderem darüber funktioniert dass uns ganz viele Mittelalter-Klischees präsentiert werden. Das ist kein Historienfilm, das ist ganz klar, es geht nicht darum zu fragen ist das jetzt dieser oder jener König den man aus dem 15. Jahrhundert kennt, aber der Film funktioniert halt unter anderem darüber, dass er Mittelalter-Sachen zeigt. Es sieht zum Beispiel so aus als würde immer alles wahnsinnig stinken. Das ist so ein typisches Mittelalterding. Oder man erkennt in den Dothraki die Mongolen wieder, oder in den Eismännern die Wikinger usw. Das ist da schon ziemlich deutlich und George R.R. Martin selbst soll das auch irgendwo mal gesagt haben, dass er meint er hätte viel mehr Mittelalter drin als Tolkien. Ich weiß jetzt nicht ob das ein Battle ist zwischen den beiden, aber so ein bisschen klingt das fast so.

Das Ganze was für mich halt so ärgerlich ist, ist das dieses Mittelalterklischee halt wirklich extrem klischeehaft ist, und das hat sich glaube ich in vielen Köpfen einfach eingebrannt.

[…Er wird unterbrochen man rede da später drüber]

Achso, okay, Politik machen wir nachher, machen wir das so? Okay, gut. Ich habe normalerweise 45 Minuten als Redezeit. [Gelächter und Applaus]

Michael: Vielen Dank lieber Christoph. Die nächste Szene die wir schauen ist die von Oliver Hoffmann den ich jetzt auf die Bühne bitten möchte und der uns dann auch in 45 Minuten sagt, warum [er] die [auswählte].

https://www.youtube.com/watch?v=X6Y-53D2s-U 3:30- 6:44

Oliver: Ja, der Tod vom Ramsay Bolton oder wie ich es auch liebevoll nenne „Scheidung einer Stark“. Ich habe dies Szene ausgewählt weil ich ja nachher tendenziell eher zu unspannenden Themen wie Genre-Einordnung Dinge sagen muss. Es ist eine meiner Lieblings-Szenen und es ist ein bisschen viel verlangt über eine Serie mit so vielen Staffeln, aber auf jeden Fall eine die tatsächlich ganz wichtig ist aus meiner Sicht – um mal kurz was Ernsthaftes zu sagen – es ist ja quasi eine Parallel-Szene zu dem was Christoph uns gezeigt hat, auch hier stirbt ein Mann, auf grausame Art und Weise, auch wenn geringfügig weniger geliebt war als Ned Stark, [Gelächter] aber während die Szene die Christoph gezeigt hat sowas wie eine Erwartung weckt – weil von da an schaut man ja nur weiter um zu sehen wann Jeoffrey eins auf die Fresse, kriegt für das was er da tut – haben wir hier eine Erfüllungs-Szene, hier wird ein Versprechen eingelöst.

Wir haben hier vor allem eine starke Frau, eine Frau die Agency hat, die ihr Schicksal nach sehr vielen Dingen die sie erleiden musste selbst in die Hand nimmt und ich finde die Szene verrät uns – abgesehen davon dass sie im Subtext was Ramsay über die Hunde sagt, sehr viel zum Thema politische Loyalität sehr viel über George RR Martins Kopf verrät – dass die Klischees über schwache, gefolterte, gequälte und vergewaltigte Frauen die keine Rollen spielen, die sehr häufig im Zusammenhang mit „A Song of Ice and Fire“ breit getreten werden, vielleicht ein bisschen zu kurz gesprungen sind.

Vielen Dank.

Malte: Unser dritter Podiumsgast ist Brigitte Kubisch, Brigitte, deine Szene.

https://www.youtube.com/watch?v=kjKHuTK9U3A Ab ca 2:30

Als ich die Szene das erste Mal gesehen habe, […] war für mich klar, das ist visuell die beste Szene die ich jemals in GoT sehen werde, obwohl die Serie ja noch nicht vorbei ist . Sie hat visuell alles was Film ausmacht; Licht, Schatten, Schnitt, Rhythmus. Ich wüsste nicht wie man das besser erzählen könnte. Und jetzt komme ich quasi vom Visuellen auf das Inhaltliche: Das erste was ich gedacht habe: Nie ist von der Scheiße des Krieges so gut erzählt worden dass man quasi auf dem Sofa Zuhause drin sitzt. Ich will nicht sagen nie, aber es ist auf jeden Fall eine Szene die sehr wirksam ist. Man hat das Gefühl tatsächlich rein gezogen zu werden, was ja auch passiert; Jon Snow versinkt in diesem Menschenhaufen. Als es dann quasi um die gesamte Konzeption von dieser Veranstaltung ging habe ich dann drüber nachgedacht, was sehen wir da eigentlich?

Da sind wir quasi bei meinem Thema: Wir sehen eine Geburtsszene. Eine Geburtsszene die natürlich aus der Serie selbst kommt, es ist die zweite Wiedergeburt von Jon Snow, das ist klar. Aber ich meine das auch im übertragenden Sinn, außerhalb der Serie verankert. Wir sehen wie der Krieg als Motor von Veränderung [agiert], dass was der „weibliche Körper“ an Reproduktion der Menschen leistet, überschreibt. Dass der Kern des Patriarchats, die männliche Überschreibung des Reproduktionsaktes des weiblichen Körpers durch Krieg, oder in Zivil durch Kunst oder Ingenieurstechnik als Option nennen, das ist sozusagen […] in dieser Szene. So hat das für mich so ein visuelles Bild gefunden.

Silke: Nach dieser kurzen Einführung starten wir jetzt mit unserem Themenblöcken. […]

Malte: 1) Quizfrage: Nennt vier von sechs Namen der Direwolfs die die Starks am Anfang der Serie geschenkt bekommen. [Antworten findet ihr ganz am Ende des Transkripts]

Frage 2) Für was steht das RR für George R.R. Martin und bei J R.R. Tolkien?

Martin hat zu Tolkien ein ambivalentes Verhältnis, einerseits bewundert er ihn, er ist ein großes Vorbild, aber er spart auch nicht mit Kritik. Ich habe in einem Interview was Martin vor kurzem gab wo er gefragt wurde wie er es eigentlich mit Tolkien hält einen Satz gefunden der das eigentlich ganz gut beschreibt:

Tolkien konnte sagen das Aragorn König wurde und für 100 Jahre regierte und dass er weise und gut war.  Aber Tolkien stellt nicht die Frage: Wie sag Aragorns Steuerpolitik aus?

Malte: Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß mit den beiden, Michael und Oliver!

Michael: Oliver Hoffmann ist mein Gast des heutigen Abends, 27 Jahre lang hat er den Verlag „Feder und Schwert“ in Mannheim geleitet. Oliver ist Übersetzer, Lektor, Schriftsteller, Experte, natürlich jetzt auch für unsere Fantasyfragen, Steuerpolitik, da hast du deine Magisterarbeit zu geschrieben.

Oliver: Nein. 😉

Michael: Nein, hat er nicht. Oliver ist mittlerweile raus aus dem Geschäft und freiberuflich tätig bei Textmenschen und wohnt in Mannheim. Eigentlich auch wie eine Fantasy-Stadt. Sowas wie Braavos. Sehr komisch, so ne Schachbrettmuster-Stadt…

Oliver: Ja, aber da erschöpfen sich dann die Ähnlichkeiten. Man hätte es auch kurz zusammenfassen können: „I drink and I know things.“ Das würde jetzt Tyrion sagen.

Michael: Das hast du schön gesagt. Ich muss euch jetzt noch meine Lieblingsszene zeigen:

https://www.youtube.com/watch?v=EkCESVLpfd0 2:18

Furchtbar, oder?

Oliver, du bist ja schon lange im Geschäft, was begeistert dich an den Büchern, der Serie, begeistert es dich überhaupt?

Oliver: Es begeistert mich sehr, nicht nur als Experte sondern bekennender Fan. In erster Linie auch von der literarischen Vorlage. Ich hatte die erste Berührung mit der Serie gleich als sie zum ersten Mal auf Deutsch übersetzt wurde, als der deutsche Agent von George R.R. Martin mit dem ich ganz gut bekannt bin, mit ihm auf der Buchmesse auf mich stieß und sagte „der George hat ein neues Buch geschrieben, das musst du mal lesen.“ Ich habe das dann ziemlich unbedarft gekauft und seither bin ich hooked. Es hat mich genau rechtzeitig erreicht zu einem Zeitpunkt als ich von Fantasy eigentlich ziemlich die Nase voll hatte, weil es mich zu dem Zeitpunkt als sehr repetitives, sehr konservatives und wenig innovatives Genre, was mir eigentlich nix mehr Neues zum Lesen gegeben hat, präsentierte. Das hat sich mit „A Song of Ice and Fire“ grundlegend geändert und hat mir sozusagen auch den Spaß an der Fantastik zurückgegeben. Zumindest an der mittelalterlichen. Ich will gar nicht bestreiten dass da Mittelalter-Kklischees abgehandelt werden […].

Michael: Ist es die literarische Qualität? Oder ist es die Auseinandersetzung mit dem Fantasy-Genre, die so ein bisschen eingeschlafen ist, und bricht er da irgendwas?

Oliver: Also ich denke schon dass es ein paar Merkmale gibt die ihn abheben von anderen Autoren, wo es zum Glück heute Leute gibt die das ähnlich machen. Es gibt Serien mit sehr vielen Erzählebenen. Das andere ist die Tatsache dass wir uns eben nicht auf ein bis zwei Protagonisten einschießen, an denen festhalten und dann bis zu ihrem glücklichem Ende folgen, sondern dass er die alte Schreibregeln „kill your darlings“ eben auch sehr exzessiv an seinem Personal ausübt. Und zum dritten tatsächlich auch die Tatsache dass er ein interessantes Gespür für Plots und Charaktere hat, die sehr viele Genretitel aus meiner Sicht vermissen lassen.

Michael: Ist es interaktives Storytelling? Gibt es da eine Interaktion mit seinen Fans, seinem Publikum? Dreht oder ändert er da was?

Oliver: Das glaube ich nicht. Ich glaube dass er sehr genau weiß was er tut, dass er aber auch ein sehr einsamer Schreiber ist. Ich kann es nur vermuten, tatsächlich kennen wir uns nicht gut, aber tatsächlich ist das etwas was aus meiner Sicht von langer Hand geplant ist, und dass die Zuschauerreaktionen ihn vermutlich freut wenn sie so ausfällt wie er sich das wünscht – nämlich schockiert – aber ansonsten glaube ich tut er in erster Linie was er möchte. Ich glaube nicht dass es sehr interaktiv ist. Es ist ein ziemlich autokratisches Schreiben.

Michael: Es gab ja die Erzählung dass er seinen Fans droht er murkse jetzt wieder jemanden ab. Ich dachte Moment das ist doch kein Rollenspielleiter, der kann doch nicht einfach sagen, ich murks den ab!

Oliver: Ich glaube das ist tatsächlich nur eine Reaktion der wachsenden Ungeduld der Leserinnen und Leser die halt gern wissen möchten wie es weitergeht, eine Notion die ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich wäre tatsächlich froh gewesen wenn wir die weiteren Ergebnisse nicht von Staffel sechs und sieben mitgeteilt bekommen hätten, sondern aus der Hand des Autors, aber das ist sicherlich persönlicher Geschmack.

Michael: Ich habe vor ein paar Monaten ein Interview mit dem Jan Söffner gelesen, der ist an dieser leidigen Zeppelin University in Friedrichshafen Kulturwissenschaftler und er meinte es gibt so ein Rezept: Die erste Ingredienz des Rezepts ist dass er sagt, diese ganze Hollywood Fantasy die wir kennen ist irgendwie so eine Mythentheorie von Campbell, junger Held lebt in der Realität, er hört den Ruf aus einer höheren, anderen Realität, er hat einen Mentor der meist stirbt und er lebt am Ende in beiden Realitäten. Bei Star Wars ist das prägend, für Harry Potter, Matrix, etc. Er sagt es gibt so diesen Standard-Mythos,  bei Fantasy auch, den man eigentlich gar nicht mehr ernst nehmen kann. Den kennt ja jeder. Und da wird vielleicht auch eine Epoche beendet.

Die zweite Zutat ist dass wir als Fans oder Zuschauer überhaupt nicht erwarten dass irgendwas Gutes passiert. Wir sagen das geht eh alles den Bach runter, das wird nichts mehr Gutes. Dass er also innerhalb dieser Fantasy-Struktur Fantasy aushebelt. Du wirst also ständig enttäuscht, wie ich bei der Szene oben, aber das Prinzip Hoffnung bleibt.

Und das dritte ist diese lange Erzählung, dass es einen großen Reiz ausmacht dass es so episch ist. Es hört ja gar nicht auf und man wächst da so langsam rein. Langsam, weil es geht ja nicht voran. Das sind die drei Zutaten des Rezepts. Bist du da dabei?

Oliver: Ich muss gestehen dass ich den Herrn Söffner nicht kannte bevor du mir vor Monaten den Namen an den Kopf geworfen hast. Dann befasste ich mich etwas damit und dachte im ersten Anlauf: Mensch, ist für eine Bachelor-Arbeit ganz gut recherchiert. Dann habe ich festgestellt dass der Mann Professor für Kulturwissenschaft ist und dass das dazugehörige Buch: “Nachdenken über Westeros” über einen renommierten Verlag mit Schwerpunkt Kulturwissenschaft erschienen ist. Dann dachte ich: Ups!

Dann hatte ich mich mit den drei zentralen Themen nochmal auseinandergesetzt, ernsthafter, und bin zu der Auffassung gekommen dass an allen drei Fronten, das ein bisschen kurz streckt.

Also zuerst ist zu sagen dass die Heldenreise – von der ich ein großer Fan bin – und die natürlich etwas in Verruf gekommen ist durch die Tatsache dass verschiedene Hollywood-Drehbuchautoren sie aus Versehen verstanden haben. Aber tatsächlich ist Joseph Campbell und die Heldenreise natürlich etwas viel grundlegenderes als Hollywood-Popcorn-Kino. […] Die Serie ist überhaupt noch nicht zu Ende, wir wissen noch nicht ob die Heldenreise funktioniert. Die Bücher sind nicht zu Ende geschrieben. Wir wissen auch nicht genau an welchem Punkt der Heldenreise Martin ist, ob er sie vielleicht revers erzählt, und überhaupt wäre der Gedanke nur dann denkbar wenn sozusagen wir uns auf einen Protagonisten einigen könnten. Ich sagte vorhin ja schon für mich hat “A Song of Ice and Fire” keinen einen Protagonisten an dem wir die Heldenreise abprüfen können. Wenn, dann ist Westeros‘ Kultur der Protagonist des Buches für mich, und das macht tatsächlich eine ganze klassische Heldenreise durch, zumindest sind wir jetzt an der Stelle wo das tiefste Tal erreicht ist, wo jetzt bald der Messias kommen darf als nächstes.

Tatsächlich lässt sich das Heldenreise-Prinzip wenn man Hauptcharaktere Jon Snow, Daenerys anschaut ganz klar nachvollziehen. Da finde ich die erste These zu kurz.

Mit der zweiten stellt er damit ja nur fest dass der Zuschauer gefangen ist im Widerstreit zwischen Erwartungen, Enttäuschung und neuer Hoffnung. Da finde ich aber eigentlich relativ banal muss ich sagen. Ich glaube auch dass die Leser und Zuschauer durchaus lernfähig sind und inzwischen begriffen haben dass die Wahrscheinlichkeit dass eine hohe Sympathie mit einem Helden direkt korreliert mit seiner Mortalität, das hat man spätestens nach der Mitte von Band 1 verstanden. Von daher würde ich auch sagen dass es nichts was die Fantasy zertrümmert sondern ein netter Kniff, der sich mit der Zeit aber auch tot läuft, deswegen muss ja Jon Snow wieder auferstehen.

Die Länge, das Ding heißt ja mit Absicht „A Song fo Ice and Fire“ und stellt sich damit in die Tradition der großen Epen. Also wenn ich jetzt zum Beispiel die Arbeiten des Herakles lese, dann ist das auch eine lange Geschichte, die zieht sich, hat einen Meta-Plot, der muss nämlich Aufgaben lösen und jede Folge der Serie ist sozusagen ein Monster of the Week. Diese Erzählweise kennen wir, und wer sich jemals mit Epen beschäftigt hat – das ist auch mehr ein literaturwissenschaftliches als kulturwissenschaftliches Thema – der weiß dass Epen lang sind und “A Song of Ice and Fire” ist eins. Die Tatsache dass es so ein weltweites Phänomen ist spricht halt auch dafür dass dieses Klischee, was so gern verbraten wird von Kultur-Pessimistinnen und Pessimisten, dass Leserinnen und Leser heute die Aufmerksamkeitsspanne eines Twitterposts haben, einfach nicht zutrifft.

Michael: Oliver, vielen Dank!

Oliver: Es war mir ein Fest!

Michael: Ihr müsst jetzt noch ein Video schauen. Wir hatten ja diese R.R.-Frage auch. Es gibt auch einen Battle zwischen den beiden, ich habe da mal was vorbereitet:

https://www.youtube.com/watch?v=XAAp_luluo0

Quizfrage 3: Wie heißt das Lieblingslied der Lannisters?

Quizfrage 4: Wie viele Folgen der Serie haben den Bechdel-Test bestanden?

Silke: Wir kommen zum zweiten Block unseres Abends und mein Gast ist Brigitte Kubisch, die ich nochmal kurz vorstellen möchte. Brigitte Kubisch hat Geschichte und Germanistik studiert, und ist aktuell mit einer Promotion zum Thema „Architektur und Erinnerung“ am Studiengang Theater, Film- und Medienwissenschaften hier an der Goetheuniversität befasst.

Sie war die erste Frauenbeauftragte der Philosophischen Fakultät der Uni Kiel und hat sich schon immer für das Thema Feminismus praktisch und theoretisch beschäftigt. Auch Filme und Serien gehören zu ihren Forschungsschwerpunkten und natürlich ist sie auch ein großer GoT-Fan. Das versteht sich von selbst. Wir zeigen nun eine meiner Lieblingsszene als Intro:

https://www.youtube.com/watch?v=ArHAQzH10GU

[Jubelnder Applaus ] Ah, ich seh schon ihr mögt sie auch. Das ist eine meiner Lieblingsfiguren aus dieser Serie, die wunderbare Lady Brienne of Tarth, und mit ihr haben wir eine der prominenten und starken Frauenfiguren aus Game of Thrones und damit willkommen im Gender-Block!

Über das feministische Empowerment der Serie und ihrer Figuren wird ja sehr heftig gestritten, Laurie Penny zum Beispiel nennt sie Serie ein rassistisches Vergewaltigungskultur-Disneyland mit Drachen, während Karen Duve sagt, dass es in Game of Thrones die ungewöhnlichsten, stärksten, smartesten und anrührendsten und komplexesten weiblichen Charaktere gibt, die der Fernsehserien-Kosmos seit Menschengedenken zu bieten hat. Starke Worte.

Das sind also grob die beiden Spannungspole zwischen denen sich die Diskussion über die Serie in feministischer Hinsicht bewegt.

Was sagst du Brigitte, Laurel Pennie oder Karen Duve?

Brigitte: Ich würde sagen eher Karen Duve. Ich kenne den gesamten Artikel aus dem dieses Zitat von Laurel Pennie kommt, das ist mir zu sehr Etikett und zu sehr drauf geklebt. Aber interessanterweise outet sich Laurel Pennie in diesem Artikel auch als Fan. Sie sagt selbst sie könne nicht aufhören zu gucken. Sie macht in dem Artikel tatsächlich auch noch ein Argument auf, aber das betrifft eher Herrschaft und ist mehr ein Teil von Christoph später.

Es ist kein direktes Argument von Duve, aber was die Häufung von Adjektiven betrifft die sie da anführt, was da drin steckt, also quasi Unterschiede, unterschiedliche Frauenfiguren, ich würde am Anfang gerne nicht zuerst mit den Figuren anfangen sondern erstmal über die Struktur sprechen. Warum es gerade bei den Leser-Innen und Zuschauer-Innen Interesse findet, aus einer feministischen Kritik heraus. Ich habe die Bücher nicht gelesen, aber ich kenne den Aufbau der Bücher. Es gibt da keine Ich-Erzählung aber es gibt auch keine auktoriale Erzählung sondern jedes Kapitel wird aus der Perspektive einer einzelnen Figur erzählt. Daraus ergib sich […] eine Polyphonie, also eine Mehrstimmigkeit, und diese Struktur ist eigentlich auch übernommen worden, wenn auch in einem anderen Genre in dieser Verfilmung.

Wir haben ja die Enthauptung von Ned Stark vorhin als Clip gesehen, und es ist schon auffällig wie stark vom emotionalem Gehalt der visuellen Darstellung sowohl Sansa als auch Arya, auf die beiden Töchter eingegangen ist. Diese Szene sehe ich vor allem auch aus den Augen von Arya. So ist das quasi auch in dieser Verfilmung übernommen worden. Jede Figur, egal ob Männlein oder Weiblein, jede Figur hat eine eigene Geschichte und ihre eigene Wahrheit. Es gibt nicht DIE Wahrheit sondern viele Perspektiven. Wir haben es hier auch mit einer kompletten Welt zu tun, zwei Kontinenten, Westeros und Essos, mit sehr vielen Völkerschaften und die Hauptfiguren reisen ja auch viel. Alle Gesellschaften sind mehr oder minder patriarchal, aber es gibt halt eben Unterschiede. Da die Figuren viel rum kommen wird wahnsinnig viel verglichen. Neben dem Identitäts-Diskurs und den Diskurs der persönlichen Wahrheit und der eigenen Erfahrung gibt es eben auch einen Diskurs in der Serie über diese Unterschiede. Dadurch ist auch irgendwie klar dass die inferiore Stellung der Frau in den verschiedenen Gesellschaften eben anders aussieht. Und es wird deutlich: Sie ist gemacht. Und was gemacht ist, kann auch verändert werden. Es gibt da eine sehr über-determinierte weibliche Figur die mit extremer Magie aufgeladen ist – Daenerys Targaryen – und sie ist die ambitionierteste Veränderin. Sie hat den Anspruch – Break the wheel – den Kreislauf von Macht und Gewalt und eben auch den Thron zu ändern. […]

Silke: Bevor wir jetzt einzelne Charaktere in den Blick nehmen, […] was ist das Faszinierende an diesen Frauenfiguren an dieser Serie.

Brigitte: Das ist der Punkt den ich versucht habe zu unterstreichen über die Struktur dieser Erzählung, dass man als Zuschauer/-In tatsächlich die Möglichkeit hat sich Identifikationsfiguren auszusuchen, das passiert ja auch ganz stark. Alle Hauptfiguren haben ja auch etwas mit sich selbst zu kämpfen.

Silke: Das heißt aber auch die Frauen bei GoT sind jetzt nicht wie bei anderen – gerade bei Mittelalter- oder Fantasy-Serien – Geberinnen dekorativer Elemente oder Kampftrophäen, sondern sie sind eigenständig handelnde und handlungstreibende Personen. […]

Brigitte: Genau, sie sind nicht nur dramaturgischer Anlauf, wie Helena im Krieg um Troja, sie sind auch nicht Dekoration wie die Gangsterbraut im Gangsterfilm, sondern sie sind eigenständige Akteure. Sie haben eben auch wirklich etwas zu erzählen. Das ist ja auch wichtig. Sie erzählen etwas von sich. Es geht ja nicht nur darum dass sie eigenständig handeln, sondern dass sie auch quasi in ihrer Subjektivität, ihrer Wahrheit,  nicht beschädigt werden, sie werden nicht von anderen Figuren quasi überschrieben, oder übersprochen.

Silke: Dennoch verändern sie sich ja auch zum Teil sehr stark in der Serie, und wir wollen uns ein paar Serienexemplare anschauen, wir fangen an mit den Frauenfiguren aus dem so genannten Innenraum, da heißt Frauen in den klassischen Rolle, wie zum Beispiel Sansa Stark die so gern einen Prinzen heiraten will und am Anfang der Serie wirklich – wie ich finde – eine richtige Tussi ist. Also unerträglich. Oder auch Cersei Lannister, die sich aber im Gegensatz dazu schon in ihrer Kindheit wundert, dass sie so komplett anders erzogen wird als ihre Brüder. Aber grundsätzlich sind das ja schon erstmal sehr klassische Frauenfiguren, oder?

Brigitte: Ja, genau. Und das was ich interessant finde ist dass sie erstmal eine sehr große Widerstandsfähigkeit haben, sowohl Cersei als auch Sansa haben sich bis heute gehalten. […] Cersei hat Macht von Anfang an, aber sie sitzt mittlerweile tatsächlich auf dem Thron. Und bei Sansa ist es auch ganz klar, sie ist jetzt irgendwie am Anfang ihres Erwachsenendaseins, und obwohl sie lange Zeit immer nur Zuschauerin war, und irgendwie versucht hat sich zu verstecken um zu überleben, mittlerweile doch eine ganze Menge gelernt und wird auch immer interessanter und hat auch immer mehr Tiefe.

Ich würde auf Cersei gerne eingehen, sie ist eine sehr negative Figur, sie ist nicht so eine Sadistin wie Ramsay Bolton, außer man behandelt sie selber schlecht dann heißt es bei ihr „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Cersei hat mehrere, wunderbare Gespräche mit Sansa wo sie einerseits agiert wie eine Ersatzmutter, und andererseits wie eine böse Schwiegermutter. Diese Gespräche nutzt sie halt auch um etwas von sich zu erzählen und sie sagt sie wäre viel lieber nicht schön und zur Niedlichkeit erzogen worden, sondern sie hätte auch gern wie ihr Zwillingsbruder Jamie Schwert und Lanze gelernt. Wenn man sich anschaut wie sie agiert würde ich sagen sie kämpft mit Worten. Ich habe jetzt mal hier eine Szene die viele auch kennen [und die man als Wortgefecht sehen kann:]

https://www.youtube.com/watch?v=sKTc8Chvw5k

Cersei ist quasi die Self-made woman, […] dafür dass sie sehr eingeschlossen ist in diesem Red Keep zum Schluss, schafft sie es dennoch immer wieder sich Handlungsspielräume zu erkämpfen. Ich kann nicht sagen das sie meine Lieblingsfigur ist, oder dass ich sie ganz toll finde oder so, sie ist für mich ein Faszinosum, und ich freue mich jedes Mal wenn ich sie sehe, es ist immer interessant was kommt. Man weiß auch nie genau was kommt. Da ist immer ein Spannungsbogen drin. Sie kämpft auch richtig. Fast jede Szene die sie hat ist irgendwie auch ein Kampf, das finde ich auch interessant.

Sie erfüllt voll diese klassische Frauenrolle, weil sie sich dazu gezwungen sieht und sie versucht trotzdem quasi ihr Ding durchzudrücken, und das ist der Kampf.

Wenn ich jetzt über Self-Made-Woman und Handlungsmöglichkeiten spreche, ich habe ja auch dieses Gespräch mit Sansa angesprochen, und Sansa sagt selbst später, sie habe von zwei Figuren am meisten gelernt: Cersei und Littlefinger. Diese beiden sind quasi ihre Ersatzeltern geworden.

Ein Thema aus dieser Familie Lannister ist ja Legacy – Vermächtnis. Ich finde es interessant dass Cersei, auch wenn sie es gar nicht beabsichtigte, quasi zu einem Vermächtnis im Hause Stark geworden ist. Um das mal so zu betrachten.

Cersei wird immer gern […] vorgeworfen, dass sie irgendwie inkompetent ist und dumm, und nichts dazu lernt, ich denke das hat sich irgendwie geändert weil sie mittlerweile auch verstanden hat dass Wissen auch Macht ist. Wenn man bedenkt dass diese zwei Figuren mit denen sie ständig unterwegs geht – schon vor dem Bußgang – der eine ist der Mountain (Power is Power) und der andere ist Qyburn (Knowledge is Power). Qyburn ist nicht nur der, der alles weiß, und der intrigiert und Varys beerbte, sondern ist auch der verrückte Wissenschaftler. In der siebten Staffel hat man ja gesehen, Cersei weiß unheimlich gut Bescheid. Ich hatte eher erwartet dass sie sich nach dem Tod ihres jüngsten Sohnes in ein Monster, also einen Stalin-Hitler verwandelt, ist aber noch nicht passiert. Das kann noch kommen, weiß man nicht. Aber sie hat sich behauptet, und zwar sehr klug behauptet.

Silke: Schauen wir uns jetzt mal Frauen außerhalb der klassischen Rolle an, Frauen, die eher das männliche Prinzip verkörpern, wie Arya stark die lieber fechtet als stickt, und so etwas der Tomboy der Serie ist und dann eben Brienne of Tarth, die der beste Ritter werden möchte, die beste Ritterin ist sie ja sowieso schon. Karen Duve sagt „sie ist der Typ weiblicher Außenseiter den man im Fernsehen nicht oft zu sehen bekommt; unattraktiv, maskulin, groß.“ Dass eine wirklich wunderschöne Schauspielerin gecasted wurde für diese Rolle, die dann ungeschminkt eine unattraktive Frauenrolle darstellen soll sei hier nur mal am Rande erwähnt… Aber das Thema Schönheit ist ja auch das was die Figur der Brienne so ein bisschen ausmacht: Bei einem Fest was ihr Vater für sie gibt, sie hämisch und ironisch von den Männern oder Jungs als „Brienne The Beauty“ gerufen wird. […] Brienne entscheidet aus dieser Verletzung heraus dass sie jetzt Kämpferin und Ritterin werden möchte. Ist das nicht doch ein bisschen Stereotyp auch?

Brigitte: Nö, das würde ich nicht sagen. In dieser Hinsicht, was sollte sie sonst werden? Sie hätte ja auch sagen können dass sie Zauberin werden will, wie Sam Tarly. Es gibt quasi nur die klassische Weiblichkeitsrolle und Männlichkeistrolle. Die Darstellung der Figur von Brienne, auch alles was sie erlebt dass sie immer in diesem „Dazwischen“ gehalten wird, ständig in diesem Konflikt ist und gleichzeitig das was sie will unglaublich dickköpfig auch behauptet. Dadurch gewinnt sie ja auch Statur. Was ich bei Brienne eher sehe, und ich glaube da muss ich GoT wieder verlassen und gucken, wo gibt es denn noch diese Kriegerin? Die kommt ja nicht nur von dem Kontext Fantasy oder GoT. Brienne hat eben auch diese Jungfräulichkeit, die andere Kriegerinnen mythologisch Brunhilde, oder auch historisch Jeanne d’Arc haben.

Silke: Das finde ich auch sehr traurig, ihr ist keine erfüllte Liebe und auch kein Sex gegönnt. Man hat das Gefühl sie würde dann ihre Kraft und ihre Macht verlieren.

Brigitte: Ja, ganz genau. Brienne und Jamie sind so quasi das romantischste Paar aus GoT.

Silke: Absolut. Die unerfüllte Romeo und Julia Liebe. […] Aber ist auch ein bisschen ein Stereotyp; dass die Stärke einer Frau gebrochen wird wenn sie denn eine erfüllte Liebe oder auch einen erfüllenden Sex hat. Die hat ja nicht mal Sex.

Publikumsfrage: Vielleicht ist es ihr ja gar nicht wichtig als Frau, das finde ich eigentlich viel wichtiger, dass es offensichtlich einen Teil im Publikum gibt der das zuordnet nur dann eine erfüllte Frau sein zu können. Das finde ich ein bisschen schade. Weil das ja wieder darauf hinweist, dass Frauen nur erfüllt sein können wenn sie Liebe etc. haben.

Mod Silke: Ich würde sagen Menschen, das hat weniger mit Frauen oder Männer zu tun […]

Frau: In dem Kontext? Ich meine spricht man den über einen Mann der keinen Sex hat und keine große Liebe findet, da wird man wahrscheinlich nicht direkt drüber sprechen.

Silke: Doch, reden wir nachher auch.

[Gelächter im Publikum]

Brigitte: Gerade um hier auch weiter zu kommen, darauf möchte ich ja auch gleich verweisen. Die Figurenzeichnung bezieht sich jetzt erstmal auf die Serie, in welchen kulturellen Mustern sie steckt und was sie auch wiederholt, was sie auch aufnimmt. Ich fühle mich hier in dieser Runde auch verpflichtet darauf hinzuweisen, dass Brienne of Tarth bei allem kämpferischem Können was sie auszeichnet, bei aller Stärke, Angstlosigkeit die sie immer begleitet, dass sie eben auch eine Weiblichkeitsgeschichte hat in dieser Zeichnung die eben vor allem auch in dieser Romantik begründet ist, eben in dieser Jungfräulichkeit, oder die behauptete Jungfräulichkeit. Ob sie real ist, ist erstmal egal.

Ich würde jetzt ganz gern aber auch mal zu anderen Figuren kommen, bei Gender geht es ja nicht nur um Frauen oder Weiblichkeitsfiguren.

Mod: […] Genau, es gibt auch ein Geschwisterpaar, deutlich einem Geschlecht zugeordnet, aber sie weisen durchaus androgyne Merkmale auf, vor allem wird ihnen eine Geschichte der gegengesetzten Geschlechterzuschreibung übergestülpt: Theon und Yara Greyjoy von den Eisenmännern.

Brigitte: Ich finde an diesem Geschwisterpaar kann man das Gemachte von Männlichkeit und Weiblichkeit gut nachvollziehen, weil Yara wird in Ermangelung eines männlichen Erben zu einem Mann erzogen, und Theon wird durch die Starks erzogen und problematisiert seine Männlichkeit ständig am Anfang und wird dann von seinen Leuten an Ramsay Bolton verkauft und einer sehr brutalen „Weiblichkeitserziehung“ unterzogen, inklusive Genitalverstümmelung und allem drum und dran, bis er sein eigenes Selbst mehr oder minder verloren hat – er kriegt ja auch einen neuen Namen – und nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Yara, die irgendwo im Gefängnis sitzt und regelmäßig von ihrem Onkel vergewaltigt wird, bekommt jetzt auch eine „Weiblichkeitserziehung“, und dieses Geschwisterpaar macht eine ganze Menge durch und spannend ist bei beiden – auch bei Theon ist es sehr deutlich – [sie sind] so ein bisschen hybride. Er weiß nicht genau welchem Haus er zugeordnet ist, das ist ja auch so ein Thema. Er hat sich zum Schluss wohl damit abgefunden dass er wohl doch beides ist, Greyjoy und Stark gleichermaßen. Und gewissermaßen gilt das halt auch denke ich mal für seine Geschlechtsidentität. Das gibt eben halt auch als Figur eine ganz neue Tiefe. Ich bin schon ganz gespannt wie es ihm gelingt seine Schwester aus dem Gefängnis zu holen und wie die beiden danach miteinander umgehen werden.

Silke: Und dann gibt es ja noch  […] auch Frauenthemen in Männerfiguren. Petyr Baelish.

Brigitte: Ja, und Varys natürlich auch, das ist klar, Eunuch und seine Kleidung deuten das schon an und dann die Spinne. Für mich ist aber auch Peter Baelish eine männliche Figur eines weiblichen Prinzips und zwar das der der Alten Jungfer. Dunkle, strenge Kleidung. Auf die Idee gekommen bin ich bei einer Szene durch die Zuschreibung der Sexposition. Die würde ich jetzt gerne zeigen.

[Video: Baelish “trainiert” zwei seiner Angestellten im Puff und hat während die Damen miteinander zugange sind mit einer von beiden einen Dialog über seine Ambitionen. Leicht auf Youtube finden.]

Ich habe die Szene ausgewählt, nicht weil ich über Sexposition reden wollte, sondern ich möchte die Szene wirklich als Szene sehen. Einerseits ist sie total interessant wenn man weiß wie Littlefinger endet, was ihm passiert. Dass er da auch ein Schauspiel geboten bekommt von zwei Frauen was er nicht versteht, bis es zu spät ist. Wenn man aber jetzt bei der Szene bleibt, Littlefinger beschreibt sich selbst als jemanden, der sich aufspart. Das ist die klassische Alte Jungfer und auch ein sehr romantisches Motiv. Gleichzeitig haben wir auf der anderen Seite diese gefakte, lesbische Liebesszene, eine der wichtigsten Narrative innerhalb des männlichen Heten-[Heterosexuellen]pornos. Wo es nicht nur klar ist dass das gespielt ist, sondern – was noch viel wichtiger ist – das Spiel ist nicht das was die beiden Frauen machen, das Spiel ist dass Sex nur unter den Augen und später, unter der Aktivität eines Mannes überhaupt, Sex ist. Das ist ganz entscheidend. Die Lüge, der fake, ist also viel tiefer als nur das Spiel. Damit werden für mich – in meiner Interpretation – quasi zwei Over-the-top Spielszenen miteinander kombiniert: Für die deviante Frau, die nicht die romantische Liebe, sondern die Alte Jungfrau die sich aufopfert, die sich an dem Spiel nicht beteiligt. Und dann das Spiel wo zwar Frauenkörper im visuellen Fokus stehen, wo es aber gar nicht um Frauen geht, sondern um das was nicht sichtbar ist.

Wenn es also um Gender geht, geht es nicht immer nur um die Frauen- und Männerfiguren, und wie sie definiert sind, sondern wie auch Weiblichkeit und Männlichkeit auch in dem Subtext mit drin behandelt werden.

Silke: In Deutschland gibt es die meiste Kritik wegen der zahlreichen Gewalt-Szenen, in den USA wiederrum wurden eingangs der Serie vor allem die expliziten Sexszene und die große Nacktheit der Frauenfiguren bemängelt.  In der aktuellen Staffel kommen die Frauenfiguren ja recht angezogen daher, abgesehen davon dass es jetzt Winter ist und auch Krieg, hat das was mit der Kritik zu tun, haben die Zuschauer in den USA diese Macht das zu verändern?

Brigitte: Ich denke es gehört zum Marketing. Pay-TV-Sender wie HBO etc. [sind] halt nicht an diesen strengen Zensurbestimmungen des Free-TV wie ABC und CBS usw. gebunden sind. […] Das heißt sie können Nacktheit zeigen, sie können Sex zeigen. Und das machen sie auch, das haben sie von Anfang an gemacht. Auch in den Serien die es vor Game of Thrones gab. Das machen sie auch ganz gerne mal am Anfang einer Staffel, […] weil die Gelder für die nächste Staffel erst dann frei gegeben werden, wenn die aktuelle Staffel auch ein Erfolg ist. Das sind halt die harten Produktionsbedingungen in den USA.

Silke: Jetzt läuft die Serie, also dürfen sich die Frauen wieder anziehen?

Brigitte: Genau, es ist nicht mehr nötig. Es gibt genug Fans und man muss es nicht mehr zeigen. Letztlich ist der Begriff Sexposition durchaus berechtigt. Ich will den auch gar nicht in Abrede stellen. Der passt auch auf die Szene die wir gerade gesehen haben. Mir geht es nur darum auch zu zeigen dass wenn man die Szene inner-diegetisch und außer-diegetisch aufnimmt, dass man da auch andere Sachen draus lesen kann als nur Sexposition.

Silke: Die Wissenschaftlerinnen die diesen Bechdel-Test gemacht haben, haben auch einen Test gemacht. In der siebten Staffel gibt es genauso viele nackte Männer wie nackte Frauen. Vielen lieben Dank an dich Brigitte für den Einblick ins Gender.

2 Quizfragen!

  1. Frage: In der 1. Staffel muss Daenerys als Khaleesi ein Herz essen… [Jemand brüllt Antwort rein]. Ich habe die Frage doch noch gar nicht gestellt! Aus welchem Material ist dieses Herz gemacht?
  2. Frage: Was für ein Herrschaftssystem gibt es in Volantis?

Mit dieser Frage zu den politischen Verhältnissen leiten wir auch ganz elegant über in den dritten Block: Politik in GoT und freuen uns auf Christoph und Malte.

Malte: Neds betrayal

Malte: In dieser Szene kommen ein paar Momente zusammen, […] es war für mich ein einschneidendes Rezeptionserlebnis, weil ich nicht nur irritiert war bei der Szene, ich war auch empört. Weil in meinen Augen die Falschen die Oberhand behalten, das wird im Laufe der Serie natürlich nur noch stärker werden.

Das andere war dass Lord Baelish in seiner Funktion hier gut zur Geltung kommt, ich muss mich outen, die „Alte Jungfer“ ist einer meiner Lieblingsfiguren. Aber das änderte sich auch erst bei der Lektüre der Bücher.  Wenn man ihn nur aus der Serie kennt, wirkt er auch recht schmierig und macht in manchen Zusammenhängen wirklich keine gute Figur. Aber wenn man das Buch kennt, sieht man das wirklich etwas anders.

Er markiert hier einen Umschlagspunkt von zwei Verständnissen von Politik, die hier inszeniert werden. Man hat hier auf der einen Seite Lord Stark, der auf Treue, Ehre und Tradition baut, und auf der anderen Seite den Hofstaat von King’s Landing, hier verkörpert von den Lannisters, der mit allen Intrigen operiert und Opportunismus belohnt. Diese beiden Verständnisse kollidieren hier in dieser Szene. […] Lord Stark entpuppt sich als naiv in diesem Moment. Es geht hier aber auch um zwei Klischees die diese politischen Verständnisse grundieren. Lord Stark vertritt den naturbelassenen Norden, der etwas wilder und rauer ist, aber dort geht es halt noch ehrlicher zu, sozusagen. Die Verbindungen zwischen den Menschen sind unverstellt, während man auf der anderen Seite das Klischee von der Großstadt als Moloch hat, King’s Landing als korrupte Metropole in der die politischen Sitten einfach anders sind als im Norden und man den anderen nicht trauen kann.

Auf welche kulturellen oder historischen Muster bei GoT zurückgegriffen werden, möchte ich mich gerne mit Christoph Dartmann unterhalten. […] Im Sommersemester 2017 hast du ein Seminar angeboten „Game of Thrones – Das Mittelalter in der Gegenwart“, […] und du bist heute in der Höhle des Löwen weil du kein Fan bist von GoT.  [Ungläubiges Raunen im Saal]

Christoph: Vor diesem Moment hatte ich ziemlich Angst und diese „Shame!“-Szene gesehen. Ich bin froh dass wir hier etwas zivilisierter sind. [Lachen]

Malte: Daraus ergibt sich auch schon die erste Frage, wenn du schon kein Fan bist, was für ein Interesse hast du dann an der Serie? Was hat deine wissenschaftliche Auseinandersetzung damit motiviert? 

Christoph: Also um mich gar nicht mal mit fremden Federn zu schmücken, die Idee ist von der Kollegin gekommen, die wollte halt einen Wald- und Wiesen-Historiker dabei haben. […] Ich bin über diese Anfrage überhaupt erst auf diese Serie gestoßen, ich habe das vorher ehrlicherweise gar nicht wahr genommen. Ich glaube jetzt gehen hier wirklich gleich die Tomaten an den Start.

[Zuschauer zeitgleich: Oh Gott!]

Christoph: Ja! Es geht noch!

[Zuschauer: „Hier ist noch ein Platz frei…“ Gelächter im Raum]

Christoph: Dann bin ich darüber rein gekommen, und erstmal verstört gewesen, weil viele Dinge nicht so gelaufen sind wie ich es gern gehabt hätte. Und dann wollte ich halt Joeffrey sterben sehen.

[Gelächter und Applaus im Saal]

Malte: Das war jetzt aber nicht die Frage was das wissenschaftliche Interesse ist!

Christoph: Ich glaube einfach grundsätzlich dass für mich wichtig ist was ist in den Köpfen der Leute an der Uni mit denen ich zu tun habe, die Studierenden, und da ist derzeit ganz klar GoT, und das macht dann unheimlich Spaß, weil ich von denen einfach so wahnsinnig viel lernen konnte. Sowohl was Begrifflichkeiten angeht, als auch die Figuren. Ich fühle mich da mittlerweile schon relativ selbstständig in diesem Kosmos.

[Gelächter im Saal]

Jetzt nicht so brillant wie ihr, aber immerhin, ich finde mich zurecht. Ich verstehe seit der zweiten Staffel sogar worum es geht bei der Geschichte und das war für mich ein langer Weg.

Das war jetzt schon wieder nicht wissenschaftlich. Okay.

Malte: Man kann ja auch fragen: was war das Ziel des Seminars?

Christoph: Wir gingen davon aus dass dort Mittelalter-Klischees oder Bilder behandelt werden. Mittelalterbilder sind wichtig für uns, weil das der Blick ist den wir heute auf diese Vergangenheit haben. Da war bei uns das Thema Mittelalter in GoT und anderen populären Formaten auf der einen Seite und-  ich sage jetzt nicht das echte Mittelalter  sondern – das Mittelalter von uns Historikern.

Malte: Okay. Kannst du erläutern was da gelaufen ist? Was für Aufgaben hatten die Teilnehmer des Seminars?

Christoph: Wir haben versucht das was in GoT präsentiert wird in Beziehung zu setzen mit mittelalterlichen Vergleichsphänomenen. Das Entscheidende war aber dann im Grunde zu sagen, dass nach unserer Wahrnehmung eben  – da können wir uns auch gern drüber streiten – sehr viel an Mittelalterklischees präsentiert wird, dass also eigentlich die Vergleichsebene gar nicht das Mittelalter von uns aus der Fachwissenschaft ist, sondern die Vergleichsebene ist das Mittelalter aus Historienfilmen, aus historischen Romanen, das sind die Dinge die bis ins 18. Jahrhundert, bis in die Aufklärung zurück zu verfolgen sind: Folter, religiöser Fanatismus, oder solche Sachen, und das ist eigentlich die Vergleichsebene für uns geworden,  so dass es meine Historie aus dem Mittelalter fast ein bisschen verschwunden ist dahinter.

Malte: Ihr hattet Schwerpunkte gesetzt, [.u.a.] auch Politik als einen Aspekt, was wurde da genau untersucht? Was habt ihr da raus bekommen?

Christoph: Es ist ja ein Riesen-Kosmos und deshalb haben wir ein paar Akzente gesetzt und ein Punkt war eben die Frage dieses völlig unberechenbaren, wilden Agierend wie wir es eben gesehen haben. Dann haben wir zum Beispiel die Rolle von Beratung und die Probleme von Königen, die sich halt eben nicht beraten ließen etc. thematisiert um das etwas durchzuspielen.

Malte: Wenn man sich die Welt anschaut hat man es wirklich mit ganz unterschiedlichen Gesellschaften zu tun, die Königslande mit dem Feudalwesen, im Norden hinter der Mauer hat man Tribalismus bei den Freien Völkern die sich einen König geben, aber eigentlich in Stämmen leben.

Man hat jenseits der Narrow Sea die schon angesprochenen Dothraki, die nach dem Prinzip des körperlich Stärkeren ihre Anführer wählen. Man hat die Freien Städte, bei denen man in der Serie nicht genau weiß wie die regiert werden, das bleibt eben immer etwas unterbelichtet. Man hat Sklavenstädte die auf einer radikalen Zwei-Klassen-Gesellschaft beruht; Sklaven und andere, die die Sklaven beherrschen.

Vielleicht bleiben wir einfach bei einer dieser Gesellschaften um die mal näher auszusuchen.

Malte: Darf ich mir eine aussuchen?

Christoph: Ja bitte!

Malte: Dann die Freien Städte.

Christoph: Oh nein!

[Gelächter im Saal]

Christoph: Nein, das ist schon so ein Punkt. Mittelalter hängt an Feudalwesen, Lehnswesen, Vasalleneide oder solche Sachen. Das taucht ja auch zum Überdruss auf bei GoT, dass das immer wieder gebrochen wird normalerweise. Also mein Mittelalter ist eher das von Bankiers, Kaufleuten, großen Städten und meinetwegen auch von Bankiers in Italien die dann den englischen König finanzieren. Das ist an meinem Mittelalter viel näher dran als diese etwas schematische Feudalwelt, die da präsentiert wird.

Malte: Das wäre jetzt aber eigentlich meine nächste Frage weil ich mir gerne Westeros ausgesucht hätte, man hat es ja durchaus mit Begriffen und Normen zu tun wie „Treue“, „Eid“ etc. die für diese Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Da würde ich jetzt trotzdem gerne nachfragen wie du das bewertest. Ist da wirklich nur Klischee dran oder ist das nicht vielleicht doch eine gelungene Adaption von vormodernen Herrschaftsverhältnissen?

Christoph: Nehmen wir das Beispiel eines Treue-Eides seines Lehnsmanns gegenüber. Das ist ein Lieblingsthema einer älteren Generation der Geschichtswissenschaft, gerade auch in Deutschland extrem nationalistisch aufgeladen worden: Die persönliche Treue meinem Herrn gegenüber, die lebenslange Loyalität usw. Man kann zeigen dass erstens diese Vorstellung wirklich erst im 12. Jahrhundert richtig breit auftaucht, vorher wird das gar nicht so mit diesen Lehns-Sachen verbunden. Man kann zweitens zeigen dass Lehnswesen bedeutet, ich habe allen möglichen Leuten für irgendwas den Eid geleistet. Im Zweifelsfall ist in dem Moment wo ein Lehnsherr mein Gefangener ist vielleicht ein bisschen besser behandelt als ein anderer Gefangener. Aber das mit dieser persönlichen Loyalität oder solchen Sachen, das sind Dinge die werden vielleicht in der Literatur im Mittelalter verarbeitet, wo diese Rittergesellschaft über die eigenen Normen nachdenkt. Das hat mit den sozialen und politischen Verhältnissen herzlich wenig zu tun. […] Lehnsherrschaft bedeutet einfach ich muss für einen Acker halt noch jemanden etwas zahlen. So eine Art Abgabe und versuche das dann abzulösen. Das ist ein finanzielles Thema, mehr nicht.

Malte: Okay. Urteil ist gefällt: Klischee.

Christoph: Ich möchte mir gleich Ärger einhandeln: Die Vielfalt und Komplexität des Mittelalters wird in der Serie nicht voll abgebildet.

[Gelächter im Saal]

Christoph: Aber das will sie ja auch nicht. Deshalb kein Vorwurf. Eine Geschichte die so funktionieren würde wie meine Vorlesungen, die würde nicht mal die erste Staffel fertig kriegen.

Malte: Im Vergleich von Serie und Buch, ein Epos, da schwingt gleich was Schweres mit. GoT da klingt Politik mit an, die Bücher haben aber noch etwas ganz andres im Blick, dass es um einen Konflikt gibt der alle säkularen, politischen Streitereien zwischen Herrscherhäusern [betrifft, sie] werden einem Konflikt einer vielleicht mythischen Größe [gegenüber gestellt] – es geht wirklich um Leben und Tod – der Apokalypse.

Christoph: Wir haben diese beiden Ebenen von Politik und dieses Stichwort Apokalypse ist eben nicht das was da ganz stark dominiert. Das ist ja auch etwas was die Geschichte vorantreibt. Wenn ich eine Geschichte angucke um dann zu erfahren es gibt eine Schlacht und dann verändert sich die Herrschaft über eine kleine Burg. Das schaut keiner so lange. Aber wenn man weiß die Welt geht unter oder wird gerettet, dann guckt man das bis zum Ende. Das funktioniert einfach als Film. Entweder sie müssen alle sterben oder es muss ein tolles Ende geben oder so etwas, wie im Theater halt auch.

Was ich schon bedrückend finde, wenn man das jetzt wirklich als politisches Narrativ sieht, das hat weder im Mittelalter noch in späteren Jahrhunderten gut getan, wenn Menschen eben gedacht haben das politische Entscheidungen jetzt irgendeine „Endkampf“ entscheiden soll. Das ist eine Rhetorik, die momentan in der populistischen Öffentlichkeit ganz stark gemacht wird, „Europa geht vor die Hunde“ oder so etwas. Das läuft auch auf eine dramatische Zuspitzung zu, und darüber läuft momentan auch das Mobilisieren von Ängsten und das Mobilisieren von Menschen.

Diese Erzählform, solange sie ein Genre bleibt, ist okay, es muss sich ja auch verkaufen, aber als politische Erzählform finde ich sie extrem gruselig.

[Applaus]

Christoph: Ich finde aber auch die andere Ebene, die Alltagspolitik extrem trostlos. Es geht denen nur um Macht. Bisschen Familien-Gedöns, aber eigentlich ist es Macht. Das ist eben auch so ein Politik-Narrativ dass ich sehr unbefriedigend finde und das klingt für mich wieder nach den Geschichtsschreibern – meinen großen Ahnen, den Historikern des 19. Jahrhunderts – die meinten es ginge immer nur um Macht.

Im Seminar wenn gefragt wird, was können Sie für Motive vermuten? „Die wollten ihre Macht vergrößern.“ Das kann es nicht sein, das ist zu einfach.

Malte: Was ist es denn dann?

Christoph: Das muss man im Einzelfall schauen. Familie im Mittelalter – manchmal, oft nicht – Brudergeschichten sind oft schwierig, und die entdecken um die Jahrtausendwende, auf halber Strecke des Mittelalters, entdecken sie Familie erst so richtig als Argumentationsfigur. Diese ganzen Dynastie-Vorstellungen, das kommt dann erst langsam. Es kann aber auch sein dass es um irgendwelche Ideal-Vorstellungen geht, ein ganz starkes Motiv kann Gesichtswahrung sein, oder dass man irgendwie versucht einfach anständig miteinander umzugehen.

Malte: Du sagst ja dass du das kritisch siehst was da entfaltet wird bei GoT, […] was sagt [der Erfolg] denn über unsere politischen Befindlichkeiten aus?

Christoph: Mein Eindruck ist, dass wenn wir uns tatsächlich daran gewöhnen, irgendwo wird ja auch immer Lebenswelt verhandelt, bei solchen Filmen, das ist ja keine reine Fiktion. Da meine ich müssen wir uns als intelligente Medienkonsumentinnen und – Konsumenten einfach klar werden was Narrative, Genre und was Realität ist.

Ich hoffe einfach dass diese apokalyptischen Vorstellungen möglichst nicht weiter um sich greifen und als Deutungsmuster für sozial- oder politische Verhältnisse irgendwie mächtig werden, aber ehrlich gesagt so hundert Prozent sicher bin ich mir da nicht, und da habe ich ein bisschen Angst vor.

Malte: Das ist jetzt kein super Schlusswort, aber,…

[Gelächter]

Michael: Wir sind auch noch nicht nach der achten Staffel, ein offenes Ende ist eigentlich ein ganz gutes Schlusswort finde ich.

[…]

Question & Answer Session:

Publikums-Frage:

An Christoph, wie ist das Verhältnis von Politik und Religion in GoT, ich bin mittelalterliche Literaturwissenschaftlerin und es würde mich interessieren? Und an Brigitte, ist es nicht so dass man eigentlich so dass man den dichotomen Vergleich der Figuren in GoT eigentlich nicht anwenden kann? Wird nicht in jeder einzelnen Figur Geschlecht normativ behandelt? Entmannung, Inzest, und diverse andere nicht normative Zugänge zu Sexualität/Identität?

Christoph: Die Theologinnen in dem Seminar hatten den Eindruck dass diese Religionen da sehr unter determiniert bleiben, dass man eigentlich sehr wenig darüber erfährt. Das waren allerdings Protestanten,

[Gelächter]

Moment! Moment! Nein! Darf ich hier mal ausreden! Das heißt die haben Religion sehr stark von der konzeptuellen, intellektuellen Seite her gesehen. Das waren ja auch Theologie-Studierende. Und wenn sie jetzt von einem Wald-und-Wiesen-Katholizismus herkämen, dann würden sie sagen Religion ist, was man macht; wenn die Glocken läuten, Weihrauch geschwenkt wird. Gefühl. Ritual. Szene. Sowas alles, ne? Und auf der Ebene bietet GoT ja schon einiges. Da wird mal wieder ne Königstochter verbrannt, oder so.

PF: Gab es sowas wirklich?

Christoph [trocken]: Königstochter, eher selten. Menschenopfer… nie aus der eigenen Gruppe.

[Gelächter]

Christoph: Ich bin eigentlich nicht so zynisch. Das kommt jetzt falsch rüber.

[Mehr Gelächter]

Christoph: ich habe aber den Eindruck dass es sehr stark funktionalisiert wird aus Game of Thrones. Das es vor allem als leichte Legitimation, Cersei holt diese merkwürdigen Boost-Priester ran weil sie ihre Schwiegertöchter abschießen möchte, und dann gerät das Instrument aus den Händen und dann jagt sie gleich die ganze Septa hoch. Da fehlt mir ein bisschen die Substanz.

Brigitte: Ich würde gern auch auf die Religionsfrage eingehen, das sehe ich nämlich auch so. Aber wenn es um das Kernelement des Patriarchats geht, und Genesis, der Mann als das Ebenbild Gottes, und die Frau geschaffen aus der Rippe des Mannes und als ewige Dienerin bestimmt, diese Kraft einer eindeutigen Rollen- oder sozial-politische, kulturellen Zuweisung,  gibt es innerhalb von GoT und ich denke innerhalb der Bücher nicht.

Die Bücher, schon alleine wie sie geschrieben sind von ihrer Erzählstruktur, wie die Figuren dargestellt werden, jede Figur hat ihre eigene Wahrheit und hat ihr eigenes Recht. Das ist schon sehr an die postmodernen, poststrukturalistischen Diskurse auch angeknüpft. In der Hinsicht ist es auch schon richtig zu sagen, klar, jede Hauptfigur behandelt unglaublich viel: Familie, Identität usw. […] Das spielt auch immer eine ganz wichtige Rolle: Wer bin ich eigentlich und wie gehe ich damit um? Und dann gibt es die Situationen mit denen man umgehen muss, an denen man wachsen oder an denen man zerbrechen kann. […] Weiblichkeit oder Männlichkeit sind in dieser Serie nicht unbedingt essentialistisch gedacht. Aber es gibt viel in den Diskursen, Blogs usw. da begegnet das einem immer wieder.

Die Figuren bieten den Zuschauern eine hohe Identifikationsmöglichkeit und treffen auf ein hohes Identifikationsbedürfnis. In dem Moment indem Brienne ihren Kopfschutz abnimmt und es sichtbar wird dass es eine Frau ist die da kämpft, ging hier so ein aha! Durch die Runde, und das ist genau die Reaktion die ich selbst auch hatte als ich sie das erste Mal sah.

Es ist ja nicht nur Popkultur die wir zu unserem Vergnügen schauen oder lesen, sondern es hat auch immer etwas mit unserer Lebenswelt zu tun, es greift da ein. Und wir befragen und selbst ja auch ständig: Wer sind wir eigentlich?

QuestingOrc: Es ging ja vorhin um die „Heldenreise“ von Campbell und ich habe eine fiese Frage an Oliver, die man nicht 100 Prozent beantworten kann und sollte, aber in deiner Expertise als Literat  wollte ich fragen: wie hört GoT auf? Das ist eine Arschlochfrage, ich weiß .

Oliver: Also, ich weiß darüber genauso viel wie du,  von daher bin ich auch nur Konsument an der Stelle. Die Frage ist tatsächlich ziemlich fies, weil das ist ja fast schlimmer als jemanden zu zwingen zuzugeben dass er die Serie nicht mag. Zunächst würde ich sagen die Frage ist mit Campbell nicht zu beantworten. Ich habe ja vorhin schon angedeutet dass es aus meiner Sicht DEN Helden weder in der Verfilmung noch in der literarischen Vorlage gibt. Es gibt entweder eine Reihe von Protagonisten oder ich mag die Theorie die ich dreist von meiner Frau geklaut habe, dass eigentlich die Kultur von Westeros der Heldin ist, die da auf die Spiel steht. Von daher glaube ich dass die Heldenreise deine Frage nicht beantworten kann. Aber ich bin trotzdem bereit einen educated guess abzugeben – und ich möchte warnen wegen Spoilern, ich habe sowohl Trump als auch den Brexit richtig voraus gesagt – und ich glaube das George RR Martin sich rechtzeitig dran erinnern wird dass er Amerikaner ist, und für einen Pay-TV Sender schreibt der nach kapitalistischen Prinzipien funktioniert. Deshalb werden sich Jon Snow und Daenerys auch ganz am Ende kriegen und den Krieg gewinnen.

Boring, ja.

Questing Orc: An Christoph, ist die Iron Bank also eine der Dinge, die im Mittelalter noch am Ähnlichsten ist? Und an alle: Mit welcher Figur könnt ihr euch am besten identifizieren und warum?

Christoph: Ich beantworte die erste Frage.

[Lachen im Raum]

Nein. Natürlich rhetorisch denken alle bei Mittelalter an Ritter und Turniere. Das früh-kapitalistische aber nach damaligen Verhältnissen schon global organisierte Wirtschaftssystem ist weitgehend unbekannt. […] Das zwei Großbanken in Konkurrenz pleitegehen weil der englische König zahlungsunfähig ist. Das sind Sachen die man so nicht mit dem Mittelalter verbindet, und das ist dann eine Karte die ich natürlich dann gern spiele.

Michael: Magst du dann auch was zu der Identifikationsfigur sagen?

Christoph: Bei uns in diesen trostlosen Weiten des Nordens würde man dich örsig nennen, ne? Das kann man doch einfach mal übergehen!

Brigitte: Ich habe die Frage befürchtet dass sie kommt. Vorberietet habe ich sie nicht, sie ist nämlich schwer. Also wenn ich tatsächlich eine Figur nennen sollte, der ich bislang immer am meisten die Daumen gedrückt habe das sie überlebt, dann ist das tatsächlich Brienne.

Ich fand es auch interessant dass ausgerechnet bei der Besprechung der Figur hier im Saal Widerspruch kam, weil ich sie nicht nur als Figur innerhalb der Serie heraus sehen kann, ich habe halt auch das Nibelungenlied gelesen, ich sehe auch andere Aspekte in dieser Figur, aber es ist trotzdem meine – in dem Sinne – Lieblingsfigur.

Oliver: Ich habe die Frage auch nicht vorbereitet, aber tatsächlich fällt es mir sehr leicht sie zu beantworten: Als hoffnungsloser Romantiker ist natürlich Tyrion Lannister meine Identifikatiosnfigur.

[Applaus und Aww]

Christoph: Mein Herz ist über die gesamten gestorbenen Lieblingsfiguren so vernarbt und verhärtet dass ich mich nicht mehr identifizieren kann, da sie eh gleich tot sind.

PF: Fantasy-Roman: Es wurde gesagt dass es um das Spiel um Gut und Böse geht, aber die ersten sechs Staffeln ging es weniger darum. Es ging darum wie diese Welt funktioniert. Das fand ich shcön dass es nicht so fantasy-lastig war. Wie sehn sie das?

Oliver: Ich würde dem zustimmen. […] Die Dichotomie zwischen Gut und Böse ist eine, die Bücher schon gar nicht aufmachen, und deren auftreten in der Serie jetzt speziell in der 6. Staffel und 7. Staffel ich sehr bedauerlich finde, weil ich finde dass sie den Fokus, den Duktus der ganzen Serie komplett verschiebt. Es ist auch eine sehr Hollywood-esque Art das leicht Verdauliche dem schwer verdaulichen vorzieht. Für mich ist tatsächlich das Klügste was die Serie gemacht hat sozusagen die Umbenennung von „A Song of Ice and Fire“, was ja diese Dichotomie aufmacht und nicht einlöst, in A Game of Thrones. […] Es geht um politische Auseinandersetzungen, Intrigen. Gut und Böse ist eine Dichotomie die ich überhaupt nicht sehe, schon gar nicht in der literarischen Vorlage. Deren Schwerpunktsetzung und Fokussierung in der Serie ich sehr bedauerlich finde.

Malte: Wie erklärst du dir es dann wie es losgeht, White Walkers von Beginn an?

Oliver: Es ist angelegt aber es spielt eigentlich keine Rolle. Es ist sozusagen die Folie vor der sich das eigentlich erzählte – für mich – ereignet. Dass das jetzt in der Serie in den Vordergrund gerückt wird, verstehe ich tatsächlich nicht, ich glaube die Antwort darauf heißt: Amerika. Vermute ich mal.

Brigitte: Man kann den Anfang auch ganz anders sehen, es geht um eine Beobachtung, eine Zeugenschaft, und dieser Zeuge schafft es sogar zu fliehen, er wird ja auch aufgegriffen und ihm wird nicht geglaubt. Wenn man das als eine Narration versteht wo es eben ganz zentral um „Was sehe ich“, „was habe ich gesehen“ und „habe ich das was ich gesehen habe, verstanden und ist das auch glaubwürdig wenn ich davon berichte?“ und dann verbinde [mit dem Konzept] der eigenen Wahrheit,  und eben auch dass jede Figur dadurch dass sie nicht nur gut oder böse ist – bis auf ein paar Stereotyp gezeichnet Figuren – dann kann man Magie und diese White Walker Geschichte, die kann man dann auch einfach beiseite räumen.

PF: Es gibt auch die Interpretation dass es bei den White Walkern nicht um das Böse geht sondern der Kampf gegen den Tod, oder der Fremde. Es als ein Monster zu sehen. Oder als Klimawandel.

Malte: […] das ist vielleicht auch eine Stärke der Serie, dass zig fache Variationen zulässt. Das man das auf alle gegenwärtige, politischen Konflikte lesen kann. Nicht immer plausibel, aber ziemlich offen wohin man das Auslegen möchte.

—-

Und hier die Antworten zum Quiz:

Quiz 1) Summer, Ghost, Shaggydog, Lady, Nymeria, Grey Wind

Quiz 2) George Raymond Richard Martin / John Ronald Reuel Tolkien

Quiz 3) Rains of Castamere

Quiz 4) 18

Quiz 5) Gummibärchen (Als Preis gab es ein Herz aus Gummibärchen, Colafläschchen, Kirschen etc.)

Quiz 6) Triarchie

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One thought on “GER [OnTour] Frankfurt text&beat: Gender & Politics in „Game of Thrones“

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